Meta testet ein kostenpflichtiges WhatsApp-Abo für 2,49 Euro im Monat. „WhatsApp Plus“ bringt Premium-Features wie 20 fixierte Chats, personalisierte Klingeltöne und exklusive Sticker — und markiert den Einstieg in ein Modell, das Nutzer schon von Telegram kennen. Parallel rollt Meta Werbung in Status und Kanälen aus. Die Frage: Müssen wir bald zahlen oder Werbung ertragen, nur um in Ruhe zu chatten?
Was WhatsApp Plus bietet
Das Abo richtet sich an Privatnutzer und kostet in Europa 2,49 Euro pro Monat. In anderen Ländern liegt der Preis unter einem US-Dollar. Meta testet es laut WABetaInfo aktuell nur mit einer begrenzten Nutzergruppe, zunächst auf Android; iOS soll später folgen.
Die enthaltenen Funktionen sind bewusst kosmetisch:
- Bis zu 20 fixierte Chats statt bisher drei
- Personalisierte Klingeltöne für einzelne Kontakte
- 18 Hintergrundfarben und 14 App-Icon-Varianten
- Zusätzliche Sticker mit Spezialeffekten
- Personalisierbare Chatlisten
Wichtig: Die Basisfunktionen bleiben kostenlos. Nachrichten, Sprach- und Videoanrufe, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Gruppen kosten weiterhin nichts. WhatsApp Plus funktioniert außerdem nicht mit der Business-App — es ist rein ein Produkt für Privatnutzer.
Die zweite Baustelle: Werbung in WhatsApp
Parallel zum Abo rollt Meta Werbung aus. Seit Juni 2025 tauchen im „Updates“-Tab drei neue Werbeformate auf: bezahlte Kanal-Abos (Channel Subscriptions), hervorgehobene Kanäle (Promoted Channels) und Anzeigen im Status. Im Februar 2026 hat Meta den weltweiten Rollout angekündigt.
Für EU-Nutzer kommt die Werbung später. Die irische Datenschutzbehörde und der Digital Markets Act (DMA) zwingen Meta dazu, persönliche Daten aus Instagram und Facebook nicht ohne ausdrückliche Zustimmung für WhatsApp-Werbung zu nutzen. Entsprechend verzögert sich der Start in Deutschland — erwartet wird er im Laufe von 2026.
Eine Entwarnung gibt es: Persönliche Chats, Gruppen und Anrufe bleiben Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Werbung basiert laut Meta nur auf allgemeinen Daten wie Sprache, Land und Kanal-Interaktionen.
Abo oder Werbung — das neue Messenger-Modell
Der Kurs ist klar: Meta baut WhatsApp von einem kostenfrei finanzierten Dienst zu einem Produkt um, das auf zwei Einnahmequellen setzt. Wer zahlt, bekommt mehr Anpassung. Wer nicht zahlt, sieht Werbung in Status und Kanälen — zumindest außerhalb persönlicher Chats.
Das Modell ist nicht neu. Telegram bietet seit 2022 mit Telegram Premium ein Abo für rund 5 Euro im Monat. Darin enthalten: keine Werbung, unbegrenzter Cloud-Speicher, schnellere Downloads, Echtzeit-Übersetzungen, animierte Emojis und mehr. Wer kein Premium hat, sieht Werbung in großen öffentlichen Kanälen — persönliche Chats bleiben werbefrei.
Signal geht einen anderen Weg: Die App bleibt komplett kostenlos, finanziert sich über eine Stiftung (Signal Foundation) und zeigt grundsätzlich keine Werbung. Dafür fehlen Premium-Features und Komfort-Funktionen.
Threema kostet einmalig rund 5 Euro beim Kauf im App Store — danach keine weiteren Kosten, keine Werbung, keine Abos.
Vergleich: Was kosten Messenger 2026?
| Messenger | Kostenloses Modell | Premium-Abo | Werbung |
|---|---|---|---|
| Ja (Chat, Anrufe) | 2,49 €/Monat (Plus, im Test) | In Status & Kanälen (EU ab 2026) | |
| Telegram | Ja | ca. 5 €/Monat (Premium) | In öffentlichen Kanälen |
| Signal | Ja, vollständig | Keines | Nein |
| Threema | Nein | Einmalig ca. 5 € (Kauf) | Nein |
| iMessage (Apple) | Ja | Keines | Nein |
Müssen wir bald alle zahlen?
Kurze Antwort: Nein, nicht zum Chatten. Lange Antwort: Das Geschäftsmodell verschiebt sich. Meta hat mit WhatsApp einen der größten Messenger der Welt und bisher kaum Geld damit verdient. Das ändert sich jetzt auf zwei Wegen:
- Komfort kostet extra. Wer WhatsApp individualisieren will, zahlt. Das betrifft kosmetische Dinge wie Icons und Hintergründe, aber auch praktische Features wie mehr fixierte Chats.
- Werbung finanziert den Rest. Wer kostenlos bleibt, sieht Anzeigen im Status und in den Kanälen. Der private Chat bleibt werbefrei, aber die „Umgebung“ der App wird kommerzialisiert.
Ein Vollabo zum bloßen Schreiben von Nachrichten ist weder bei WhatsApp noch bei Telegram oder Signal in Sicht. Ein solches Modell hätte keine Chance — Nutzer würden sofort wechseln. Der Wettbewerb durch Signal und Threema zwingt die großen Anbieter, die Basis-Kommunikation kostenlos und werbefrei zu halten.
Werbung vor dem Chat-Öffnen?
Eine konkrete Sorge aus der Leserschaft: Muss man bald Werbung sehen, bevor man einen Chat öffnet? Dafür gibt es aktuell keine Anzeichen. Die Werbeflächen liegen im „Updates“-Tab — also dort, wo Status und Kanäle sind. Die Chatliste selbst und einzelne Chats sind werbefrei und sollen es laut Meta auch bleiben.
Das ergibt auch Sinn: Werbung direkt vor oder im privaten Chat würde gegen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung laufen und Nutzer massenhaft vertreiben. Meta weiß, wo die rote Linie verläuft.
Was Nutzer jetzt tun können
Wenn dir Werbung egal ist: Alles bleibt wie gewohnt. Chats, Anrufe und Gruppen kosten nichts, Werbung betrifft nur Status und Kanäle — Bereiche, die viele ohnehin ignorieren.
Wenn du personalisieren willst: Warte ab, ob WhatsApp Plus in Deutschland flächendeckend kommt. 2,49 Euro im Monat sind 29,88 Euro im Jahr — dafür bekommst du hauptsächlich Optik.
Wenn du keine Werbung willst: Signal oder Threema sind die sauberen Alternativen. Signal ist kostenlos und werbefrei, Threema einmalig 5 Euro ohne Folgekosten.
Wenn du viele Features willst: Telegram Premium bietet für 5 Euro deutlich mehr als WhatsApp Plus — unbegrenzter Cloud-Speicher, schnellere Downloads, Echtzeit-Übersetzung.
Fazit
WhatsApp Plus ist kein Zwang, sondern ein Angebot. Werbung kommt, bleibt aber auf Status und Kanäle begrenzt. Wer nur chatten will, zahlt weiterhin nichts und sieht im privaten Chat auch keine Werbung. Messenger werden damit zum Zwei-Klassen-System: kostenlos mit Werbung drumherum, oder Premium-Abo für Komfort. Ein reines Nachrichten-Abo ist nicht in Sicht — dafür ist die Konkurrenz zu stark.
Häufige Fragen
Kostet WhatsApp jetzt Geld?
Nein. Chats, Anrufe und Gruppen bleiben kostenlos. Nur die optionalen Premium-Features in WhatsApp Plus kosten 2,49 Euro im Monat.
Muss ich bald Werbung in WhatsApp ansehen?
Werbung taucht im „Updates“-Tab auf, also bei Status und Kanälen. Private Chats und Anrufe bleiben werbefrei. In der EU verzögert sich der Rollout, erwartet wird er im Laufe von 2026.
Ist WhatsApp Plus in Deutschland verfügbar?
Aktuell nur in ausgewählten Testregionen und bei einer kleinen Nutzergruppe. Der flächendeckende Rollout in Deutschland ist für die kommenden Monate geplant.
Welcher Messenger ist komplett kostenlos und werbefrei?
Signal. Die App finanziert sich über eine Stiftung und zeigt keine Werbung. Alternative: Threema mit einmaliger Zahlung von rund 5 Euro.
Lohnt sich WhatsApp Plus?
Nur wenn du die Optik stark personalisieren willst oder regelmäßig mehr als drei Chats fixiert hast. Für reine Kommunikation reicht die Gratis-Version.
Mit der StreamWert-App behältst du den Überblick über alle laufenden Abos — vom Streaming-Dienst bis zum Messenger-Premium. Einmalig 1,99 Euro im App Store.
