Der Bundesgerichtshof hat am 1. Oktober 2026 die Klausel gekippt, mit der Amazon 2022 den Prime-Preis erhöht hat (Az. III ZR 205/25). Damals stieg Prime von 69 auf 89,90 Euro im Jahr und von 7,99 auf 8,99 Euro im Monat. Amazon senkt den Beitrag jetzt vorübergehend für Altkunden. Gleichzeitig verlangt Netflix von seinen Bestandskunden die Zustimmung zu Preisen, die je Tarif 2 Euro höher liegen. Hier liest du, was beides für dich bedeutet.
Was hat der BGH zu Amazon Prime entschieden?
Amazon hatte sich 2022 auf eine Klausel in den Nutzungsbedingungen gestützt. Danach durfte der Konzern den Beitrag nach „billigem Ermessen“ anpassen. Eine ausdrückliche Zustimmung der Kunden holte Amazon nicht ein.
Der BGH hält die Klausel für intransparent. Für Kunden war nicht erkennbar, ob sie einer Erhöhung widersprechen und zum alten Preis weiterlaufen konnten oder nur kündigen durften. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale NRW, die schon in den Vorinstanzen gewonnen hatte.
Wer zahlt bei Prime jetzt weniger?
Amazon ist mit dem Urteil nicht einverstanden, passt den Beitrag aber vorübergehend an. Das gilt für Mitglieder, deren Mitgliedschaft vor dem 15. September 2022 begann und seitdem unverändert läuft. Amazon will sie vor dem nächsten Zahlungstermin informieren.
Über die Rückzahlung der bereits gezahlten Mehrbeträge hat der BGH nicht entschieden. Dafür läuft seit Dezember 2025 eine Sammelklage der Verbraucherzentrale NRW vor dem Oberlandesgericht Hamm. Laut Verbraucherschützern haben sich rund 145.000 Menschen im Klageregister eingetragen. Die Anmeldung ist weiter möglich und kostenlos.
| Prime-Modell | Preis vor September 2022 | Preis danach | Mehrkosten |
|---|---|---|---|
| Monatlich | 7,99 € | 8,99 € | 1,00 € pro Monat |
| Jährlich | 69,00 € | 89,90 € | 20,90 € pro Jahr |
Wer drei Jahresbeiträge zum höheren Preis gezahlt hat, kommt rechnerisch auf 62,70 Euro Differenz. Wie viel du tatsächlich zurückbekommst, hängt vom Ausgang der Sammelklage ab.
Was ändert sich bei Netflix?
Netflix hat die Preise in Deutschland Anfang September 2026 um 2 Euro je Tarif erhöht. Das berichtete DWDL am 4. September. Für Bestandskunden gelten die neuen Preise laut GIGA ab dem 18. Oktober 2026.
| Netflix-Tarif | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Standard mit Werbung | 4,99 € | 6,99 € |
| Standard | 13,99 € | 15,99 € |
| Premium | 19,99 € | 21,99 € |
Anders als Amazon 2022 fragt Netflix aktiv nach der Zustimmung, per E-Mail oder direkt in der App. Wer nicht reagiert, verliert das Abo. Netflix schreibt laut GIGA, es müsse die Mitgliedschaft sonst „leider kündigen“.
In Österreich steigt der Basis-Tarif laut DWDL von 8,99 auf 10,99 Euro.
Gilt das Prime-Urteil auch für Netflix?
Nicht automatisch. Das BGH-Urteil betrifft die konkrete Klausel von Amazon. Ob eine Preiserhöhung wirksam ist, hängt immer davon ab, wie der Anbieter sie begründet und ob die Kunden wirksam zugestimmt haben.
Für ältere Netflix-Erhöhungen gibt es bereits ein Urteil: Das Landgericht Köln hat am 15. Mai 2025 entschieden, dass die Erhöhungen von 2017, 2019 und 2021 unwirksam waren (Az. 6 S 114/23). Der Klick auf einen Zustimmungsknopf galt dort nicht als echte Zustimmung, weil Kunden keine Möglichkeit hatten, beim alten Preis zu bleiben. Ob das Urteil rechtskräftig ist, geht aus den Berichten nicht hervor.
Der Verbraucherschutzverein VSV führt nach eigenen Angaben Verfahren gegen Preiserhöhungen bei Netflix, Apple TV und WOW. Entschieden ist dort noch nichts.
Was solltest du jetzt tun?
- Prime-Altkunde? Prüfe, ob deine Mitgliedschaft vor dem 15. September 2022 begann. Dann warte auf die Mail von Amazon und trag dich ins Klageregister beim Bundesamt für Justiz ein.
- Netflix-Kunde? Entscheide vor dem Stichtag, ob du zustimmst, in einen günstigeren Tarif wechselst oder pausierst. Der Werbetarif kostet jetzt 6,99 Euro, Standard 15,99 Euro.
- Alte Netflix-Erhöhungen: Stiftung Warentest bietet einen kostenlosen Musterbrief zur Rückforderung. Ansprüche verjähren nach drei Jahren, jeweils zum Jahresende.
Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem Fall helfen die Verbraucherzentralen weiter.
Wie sparst du bei Netflix und Prime?
Netflix lässt sich monatlich kündigen. Wenn gerade keine Serie läuft, die dich interessiert, pausierst du einfach. Mit „Lupin“ Teil 4 ab dem 23. Oktober lohnt sich etwa ein einzelner Monat, wie unser Beitrag zu den Netflix-Neuheiten im Oktober zeigt. Wie stark Streaming seit 2020 insgesamt teurer wurde, zeigt unser Preisvergleich 2020 gegen 2026.
Die StreamWert-App fragt dich einmal im Monat, welche Abos du wirklich genutzt hast. So siehst du auf einen Blick, welches Abo nach einer Preiserhöhung ungenutzt weiterläuft.
Häufige Fragen
Bekomme ich Geld von Amazon Prime zurück?
Möglicherweise. Der BGH hat die Klausel für unwirksam erklärt, über Rückzahlungen entscheidet aber die Sammelklage vor dem OLG Hamm. Die Eintragung ins Klageregister ist kostenlos.
Wer zahlt bei Prime wieder weniger?
Mitglieder, die vor dem 15. September 2022 beigetreten sind und ihre Mitgliedschaft seitdem nicht geändert haben. Amazon informiert sie vor dem nächsten Zahlungstermin.
Was passiert, wenn ich der Netflix-Preiserhöhung nicht zustimme?
Netflix kündigt dann deine Mitgliedschaft. Du kannst stattdessen in einen günstigeren Tarif wechseln, etwa Standard mit Werbung für 6,99 Euro.
Was kostet Netflix ab Oktober 2026?
Standard mit Werbung kostet 6,99 Euro, Standard 15,99 Euro und Premium 21,99 Euro im Monat.
